Chinesische Medizin im klinischen Alltag ...

Vom 6. bis 8. Oktober 2017 fand in der Evangelischen Akademie Tutzing der 5. Kongress der SMS statt. Namhafte Referenten aus Europa, China und den USA berichteten über neue Erkenntnisse aus der TCM-Forschung. Das Programm umfasste alle Therapieverfahren: Akupunktur, Arzneimitteltherapie, Tuina, Diätetik, Qigong und Taiji.

5. Kongress der SMS

Chinesische Medizin im klinischen Alltag - Grundlagen, Anwendung & Wissenschaft

 

Nach drei Jahren langen Wartens war es endlich wieder soweit. In der Evangelischen Akademie Tutzing, malerisch gelegen im bayerischen Alpenvorland am Starnberger See, lud die SMS vom 6. bis 8. Oktober 2017 zu ihrem mittlerweile fünften Kongress. Die zahlreichen Vorträge und Workshops befassten sich mit dem breiten Spektrum der Chinesischen Medizin im klinischen Alltag − Grundlagen, Anwendung und Wissenschaft.

Mit fast 300 Teilnehmern und 50 Referenten aus China, USA und Europa ging der SMS-Kongress in Tutzing erfolgreich zu Ende.

Nach den feierlich einstimmenden Jagdhorn-Klängen des bayerischen Parforcehornkreises „Anjagd“ begrüßte zunächst der Präsident der SMS, Dr. Rainer Nögel, die Gäste und Teilnehmer. Anschließend stellte der Präsident der TCM-Universität Chengdu, Prof. Liang Fanrong, in seinem Grußwort mit auffallender Herzlichkeit die langjährige und enge Zusammenarbeit der SMS mit der TCM-Universität Chengdu heraus.
In den Plenarvorträgen, die anschließend in dem großen Musiksaal stattfanden, wurde inhaltlich ein weiter Bogen gespannt, der von Antibiotika-Resistenzen bei Hauterkrankungen (Dr. Mazin Al-Khafaji) über die aktuelle Akupunkturforschung in China (Prof. Liang Fangrong) und Deutschland (Prof. Brinkhaus) bis zu Dr. Robert Schleips Vortrag zur Faszienforschung reichte, in dem er uns einen Blick über den Tellerrand der Chinesischen Medizin im engeren Sinne ermöglichte. Besonders beeindruckend war der Vortrag des renommierten chinesischen Altarztes Prof. Shen Pi´an, der seine Theorie über die „Wehrenergie“ bei der Behandlung von rheumatoiden und Autoimmunerkrankungen darlegte und dabei sowohl auf klassische Texte der Chinesischen Medizin als auch auf modernste immunologische Erkenntnisse zurückgriff.
Wie harmonisch sich verschiedene Kulturen begegnen können, zeigte sich im Konzert am Freitagabend, an dem Wölbbrettzithern aus China, Korea und Japan erklangen, die zunächst virtuos als Soloinstrumente die kulturellen Eigenheiten beleuchteten. In der anschließenden gemeinsamen Darbietung der drei exzellenten Musikerinnen ergänzten sich die Instrumente in einer Welturaufführung in so harmonischer und berührender Weise, dass wir zu Standing Ovations hingerissen wurden.

Im weiteren Verlauf des Kongresses fiel auch diesmal die Entscheidung wieder schwer, welchen der vielen Vorträge und Workshops man besuchen sollte.
Da gab es zum einen das Panel Psychotherapie und Chinesische Medizin mit dem spannenden Vortrag von Dr. Annemarie Schweizer-Arau zu ihrem neuen Konzept zur Systemischen Autoregulationstherapie (SART), einer Einführung zur Hypnoakupunktur von Prof. Leopold Dorfer sowie Dr. Elisabeth Friedrichs Vortrag über die Arbeit mit Traumapatienten.


Daneben lockte das klinische Panel, in dem Dr. Josef Hummelsberger, Prof. Liu Jin und Dr. Ingolf Hosbach sich mit der Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen bzw. Rückenschmerzen sowie mit Akupunktur in der Schmerztherapie im operativen Bereich befassten.
Parallel dazu gab es das Panel zur Arzneimitteltherapie, in dem man sich bei Dr. Stefan Hager, Dr. Axel Wiebrecht, Dr. Heidi Heuberger und Dr. Zhong Wenjun über Themen wie Hepatotoxizität, Ergebnisse des LfL-Pflanzenprojektes sowie Granulate informieren konnte.
Natürlich kam auch die Lebenspflege nicht zu kurz. Hier konnte man in einem Panel mit dem Daoisten Li Hechun, Prof. Gudula Linck, Dr. Ute Engelhardt und Dr. Patricia Krinninger vieles über Grundprinzipien und Moralvorstellungen des Daoismus, die Poesie des Alterns sowie über das hochaktuelle Thema des Nährens des Fetus im Kontext der Epigenetik lernen.


Beim diesjährigen Kongress hatte die SMS zwei Kooperationspartner. Zum einen in bewährter Weise die Medizinische Gesellschaft für Qigong Yangsheng e.V., die mehrere Vorträge und Workshops zum Programm beisteuerte, zum anderen neu die TU München. Seit mehreren Jahren wird an der TU München ein nach Bologna-Kriterien zertifiziertes Masterstudium zur Traditionellen Chinesischen Medizin unter der Leitung von Prof. Carl-Hermann Hempen angeboten. Prof. Schwirtz, der Dekan der zuständigen Fakultät für  Sport- und Gesundheitswissenschaften, hatte bereits zur Eröffnung ein Grußwort gesprochen, einige der Absolventen wie Dr. Moritz Hempen, Dr. Sabine Brommer, Dr. Uta Alt und Dr. Lars Staab hatten in Vorträgen Gelegenheit, die Ergebnisse ihrer Masterarbeiten vorzustellen. Ihre Themen waren: TCM bei Herzinsuffizienz, die therapeutische Wirkung von TCM und der „Die Gesundheit wiederherstellenden Flüssigkeit“ (Kangfuxin ye, KFX) bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, die Rolle der CM in der Behandlung von grippalen Infekten sowie chinesische Diätetik in der Stillzeit. Prof. Carl-Hermann Hempen selbst berichtete in einem Workshop über die klinischen Erfahrungen mit der „Weißen Rezeptur aus Yunnan“ (Yunnan baiyao).
Tiefe Einblicke in den Begriff der Ganzheitlichkeit, der in der Regel mit der Chinesischen Medizin assoziiert wird, gab Prof. Volker Scheid, der auf die historische Entwicklung dieses Begriffes und die wechselseitigen Einflüsse der westlichen und östlichen Kultur einging.


Im Kongressprogramm spiegelte sich die gesamte Bandbreite der Chinesischen Medizin wieder. Am Sonntag wurden neueste Forschungsergebnisse zur Behandlung der Endometriose mit Akupunktur und Psychotherapie von Prof. Karin Meißner vorgestellt. Im Panel Wissenschaft befassten sich Prof. Hugh MacPherson, Prof. Florian Beißner, Dr. Francesco Cardini und Prof. Benno Brinkhaus u.a. mit der aktuellen Studienlage in der Schmerztherapie und mit den vegetativ vermittelten Effekten der Akupunktur. Aufschluss über die biologischen Mechanismen der Akupunkturpunkt-Spezifität gab Prof. Liang Fanrong.
Weitere Themen waren Akupunktur, Arzneimitteltherapie (Rainer Nögel), Schröpfen (Prof. Benno Brinkhaus), Qigong für Kinder (Dr. Claudia Wegener und Ursula Fischer), chinesische Diätetik (Prof. Françoise Sabban, Dr. Uwe Siedentopp), Tuina (Sabine Zeitler, Dr. Han Chaling), das 6-Schichten-Modell (Dr. Marc Scheuermann) und Qigong-Übungen zur Aufnahme von Qi (PD Dr. Gisela Hildenbrand). In den Vorträgen zur klinischen Anwendung wurden unter anderem Krankheitsbilder aus Augenheilkunde (Dr. Erika Wegscheider), Gynäkologie (Prof. Zhang Qi, Dr. Yumiko von Hasselbach), Sportmedizin (Dr. Alexander Simon), Psychiatrie (Dr. Wolfram Gentz), Schmerztherapie (Dr. Sven Schröder) und Innerer Medizin (Dr. Wolfram Schwarz, Dr. Ralph-Peter Schinck) diskutiert.
Die Zukunft der Chinesischen Medizin war Thema der abschließenden Podiumsdiskussion mit prägnanten Statements von Prof. Leopold Dorfer, PD Dr. Dominik Irnich, Prof. Liang Fanrong, Dr. Ingo Hosbach, Prof. Carl-Hermann Hempen und Prof. Benno Brinkhaus.

Der Kongress wurde umrahmt von klinisch ausgerichteten Prä- und Postkongress-Workshops. Am Freitagvormittag gaben Dr. Mazin Al-Khafaji Einblicke in die Behandlung von Akne mit Chinesischer Medizin sowie Prof. Volker Scheid in die Bedeutung von Netzleitbahnen in Akupunktur und Pharmakotherapie. Die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Patricia Krinninger und die HNO-Ärztin Dr. Rose Fintelmann stellten ihre Erfahrungen mit chinesischer Diätetik bei häufigen HNO-Erkrankungen mit interessanten Fallbeispielen vor.


Ebenfalls gut besucht waren die Post-Kongress-Workshops am Sonntag nach dem offiziellen Ende des Kongresses. Hier ließ uns Prof. Shen Pi´an an seinem reichen Erfahrungsschatz bei der Therapie von rheumatoider Arthritis teilhaben. PD Dr. Dominik Irnich führte in die Trigger-Akupunktur ein, und der daoistische Mönch Li Hechun befasste sich neben Qigong und Taiji mit Tee und Kalligraphie.
Leider war es auch dieses Mal nicht möglich, alle Vorträge und Workshops zu besuchen. Erfreulicherweise können jedoch die meisten Vorträge auf DVD bestellt werden.
Und jetzt heißt es wieder drei Jahre warten auf den nächsten Kongress. Aber vielleicht möchte man diese – viel zu lange – Wartezeit ja mit weiterführenden Seminaren aus dem reichhaltigen Programm der SMS oder gar einem Masterstudium an der TU München überbrücken?

SMS – SOCIETAS MEDICINAE SINENSIS
Internationale Gesellschaft für
Chinesische Medizin e. V.

Franz-Joseph-Str. 38, 80801 München
Telefon 089 20 08 36 91, Fax 089 80 04 76 81
E-Mail: sms@tcm.edu
Besuchen Sie uns auf Facebook.
Dort erhalten Sie laufend News bezüglich
unserer Kurse und Angebote, zudem findet
immer ein anregender Austausch statt.
© 2018 SMS - Societas Medicinae Sinensis

Hinweis

Diese Webseite nutzt Cookies zur Verbesserung des Erlebnisses unserer Besucher. Indem Sie weiterhin auf dieser Webseite navigieren, erklären Sie sich mit unserer Verwendung von Cookies einverstanden.